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reden

Glück gehabt

Es fällt Menschen oftmals schwer, sich einzugestehen, dass sie einfach großes Glück hatten. Ihr Vermögen haben sie sich erarbeitet, selbst wenn es vor allem durch den Tod eines Verwandten auf dem Konto gelandet ist. Der Erfolg in Film, Musik oder Internet rührt von den eigenen Anstrengungen her und nicht davon, dass eventuell die richtigen Personen zur richtigen Zeit ein Auge auf die damals noch weitaus weniger erfolgreichen Kunstschaffenden geworfen haben. Wer am Kickertisch gewonnen hat, tat dies aufgrund der eigenen Bestleistung und nicht wegen der zwanzig Bier, die sich das gegnerische Team vorher in Rekordzeit in die neuronale Dachrinne gescheppert hat. So hält man sich fest an der eigenen Wirksamkeit und kann weitaus einfacher erklären, warum andere nicht diesen bestimmten Punkt im Leben erreichen.

Dieses Eingeständnis des Glücks geht oft mit der Erkenntnis einher, dass man nicht zu den Menschen gehört, die deutlich mehr Pech in ihrer Biografie hatten. Und das ist das nächste Problem. Man will ja weiter dazugehören. Man will nicht offen zugeben, dass man einen besseren Status hat. So erzählt Olaf Scholz, dass er noch immer zur Mittelschicht gehöre, oder die alte Binsenweisheit, dass Geld nicht glücklich mache, wird aus dem Sack gezaubert. Es ist natürlich nur Zufall, dass sie ihre Freundschaften weitaus seltener zu ärmeren Menschen pflegen. Man läuft sich halt so selten über den Weg, wie soll da denn etwas entstehen? Da kann man ja nun wirklich nichts dran ändern.

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von Malte Küppers

Aktuelle Veranstaltungen

Leseshow

26. Februar

2026

19:30 Uhr

Kammerspiele, Königsallee 15, 44789 Bochum

AUSVERKAUFT! Premiere – Frank Goosen „Lovely Rita“

In seinem neuen Roman geht Frank Goosen in die Kneipe. Genauer gesagt ins „Haus Himmelreich“, die alte Eckkneipe, in der sich Geschichten und Schicksale kreuzen.

Frank Goosen, Foto: Maria Wolf, Bearbeitung: P. Frey / dortmund-beach.com

In seinem neuen Roman geht Frank Goosen in die Kneipe. Genauer gesagt ins „Haus Himmelreich“, die alte Eckkneipe, in der sich Geschichten und Schicksale kreuzen: Da ist das Tresencockpit mit dem Käpt’n, dem Langen und Willi Trommer, Typen, die schon seit Urzeiten hier sitzen. Da sind Gisela, die Kunstzapferin, die Wacholder-Anni mit Gottes Werkzeugkasten, Faris, der Comedian, Harry, der alte Sozialdemokrat, Carlo, der aussieht wie Cat Stevens oder auch die Gräfin, die die ganze Welt gesehen hat, aber manchmal in einem alten Song lebt. Vor allem aber ist da Rita Urbaniak, Lovely Rita, die Wirtin, die eigentlich mal was ganz anderes machen wollte, der aber dann das Leben dazwischenkam. Und ihre Schwester Chris, im Krieg geboren, die immer in der ganzen Welt unterwegs war, auf der Suche nach dem, was man so leichthin das Glück nennt.
Zwischen Herrengedeck und Weibergruppe wird vor dem Antrinken geerdet, es heißt zahlen und freundlich sein, und zwei Sechsen auch im zweiten Wurf zu einer Eins umdrehen, das geht beim Knobeln nur am Gründonnerstag.
In „Lovely Rita“ erzählt Frank Goosen gewohnt humorvoll und warmherzig über ein aussterbendes Biotop, die Kneipe.
Und ist es nicht absurd, dass die Schaumkrone auf einem Pils „Blume“ heißt, das Glas aber „Tulpe?“

Veranstalter: Schauspielhaus Bochum

Tickets in €: .

Lesung und Gespräch, Lyrik

26. Februar

2026

19:00 Uhr

Buchhandlung readymade, Bochumer Str. 108, 45886 Gelsenkirchen

Mesut Bayraktar „Linke Melancholie“ und „Die Lage“

Die Gedichte von Mesut Bayraktar handeln von Freundschaft, Liebe, Armut und dem Kampf für das bessere Leben. Er stellt sein Lyrikdebüt und seine Erzählungen vor. Moderation: Lukas Hermann.

Schwermut ist was anderes, Nostalgie ein Dasein ohne Zukunft. Melancholie ist Quelle utopischer Kraftgewinnung. Die Gedichte von Mesut Bayraktar handeln von Freundschaft, Liebe, Armut und dem Kampf für das bessere Leben.

Sein Lyrikdebüt "Linke Melancholie" erzeugt ein Kraftfeld der Sprache. In den Versen verschmelzen das Gewicht und die Süße der Melancholie zu einem gemeinsamen Sound: unversöhnlich, ehrlich, kunstvoll. Und in seinen Erzählungen "Die Lage" finden sich Geschichten von Menschen, die in der Literatur selten vorkommen. Er beschreibt stille Wut und laute Wut. Was es bedeutet, wenn das Arbeitsamt dir mit Sanktionen droht. Wenn Vollstreckungsbeamte gegen deine Tür hämmern.

Moderation: Lukas Hermann

Karten reservieren: hallo@readymadebooks.de

Veranstalter: readymade.books

Tickets in €: 5,- / Schüler*innen und Studierende frei

Buchvorstellung, Lesung und Gespräch

26. Februar

2026

18:30 Uhr

Taranta Babu, Humboldtstr. 44, 44137 Dortmund

Nadja Habibi „Die Prostitution in der bürgerlich- kapitalistischen Klassengesellschaft“

Nadja Habibi untersucht in ihrem Buch die Einbettung von Prostitution in die bürgerlich-kapitalistische Klassengesellschaft.

Nadja Habibi untersucht in ihrem Buch die Einbettung von Prostitution in die bürgerlich-kapitalistische Klassengesellschaft. Im Zentrum steht eine klassenanalytische Perspektive, die Prostitution als soziales und ökonomisches Verhältnis analysiert - im Kontext von Ausbeutung, Reproduktion und Entfremdung. Ausgehend von materialistischer Theorie und feministischen Debatten wird die Stellung von Prostituierten im Kontext von Ehe Lohnarbeit, Körper und Sexualität beleuchtet. Kritisch hinterfragt werden liberal-feministische und postmoderne Positionen, die Prostitution als Emanzipation deuten - und ihre Verankerung in patriarchalen und kapitalistischen
Machtverhältnissen ausblenden.

Nadja Habibi wurde 1998 in Hamburg geboren. Sie studierte Soziale Arbeit und war während ihres Bachelor- und Masterstudiums Stipendiatin der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Aktuell arbeitet sie mit gewaltbetroffenen Frauen und ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte tätig. Sie hält regelmäßig Vorträge und Lesungen zu den Themen Prostitution und marxistische Gesellschaftskritik.

Veranstalter: Taranta Babu, Sisters e.V.

Tickets in €: frei

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Lesezirkel

Großes Finale im Lesezirkel mit „Paradise Garden“ von Elena Fischer

Der Lesezirkel wurde Ende 2023 eingestellt. Hier finden Sie aber noch alle Leserunden.

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