Wer zu Fuß unterwegs ist, spazierend, wandernd, hat Zeit, die Landschaft zu betrachten, die Gedanken fließen zu lassen, Gespräche zu führen. Wandernd kann man vom Weg abkommen, neue Wege betreten, sich verlaufen, wieder zurückfinden oder mit Gewinn an neuen Orten landen. Wandergeschichten aber sind, Ausnahmen bestätigen die Regel, historisch eher Männer- denn Frauengeschichten. Caspar David Friedrichs Wanderer über dem Nebelmeer zeigt nicht von ungefähr einen Mann, der sich die Welt zu Füßen legt. Dabei sind im Verlauf der Menschheitsgeschichte natürlich auch Frauen gelaufen – freiwillig oder unfreiwillig, nicht selten entweder mit Erlaubnis der Männer oder gegen deren Verbot. Das freie Umherlaufen als Frau mussten sich die Rebellinnen zu Fuß, von denen Anneke Lubkowitz in ihrem erzählenden Sachbuch erzählt, oftmals erst erkämpfen. Sophie von La Roche, Bettina Brentano, Karoline von Günderrode, Mary Shelley, Annette von Droste-Hülshoff, Mathilde Franziska Anneke, Emmy Hennings, Else Lasker-Schüler, Simone de Beauvoir, Annemarie Schwarzenbach und Octavia E. Butler – die Liste derjenigen, die hier zu Wort kommen, deren Geschichten erzählt und in deren Fußstapfen wir treten können, umfasst ganz unterschiedliche Persönlichkeiten. Eines aber zeigen alle Biografien: Beim Wandern geht es um mehr als die Eroberung von Landschaften. Es geht um Freiheit, Selbstbestimmung und einen weiblichen Blick auf die Natur.
Anneke Lubkowitz, 1990 geboren, hat in Berlin und Edinburgh Literaturwissenschaften studiert und über Nature Writing promoviert. 2020 erschien die von ihr herausgegebene Anthologie Psychogeografie. Als begeisterte Wanderin hat sie verschiedene Texte über Streifzüge durch Berlin veröffentlicht, und auch die Umgebung von Münster, wo sie inzwischen lebt, erkundet sie am liebsten zu Fuß.
Am Internationalen Frauentag 2026 liest Anneke Lubkowitz aus ihrem Buch "Rebellinnen zu Fuß" und wird dabei begleitet von der Gitarristin Sümeyye Ergün.
In Sümeyye Ergüns Biografie ist der Gedanke der Bewegung, der sich auch im Wandern findet, eingeschrieben: geboren 1996 in der türkischen Mittelmeermetropole Izmir, kam sie 2014 zum Studieren ins ostwestfälische Detmold und machte sich dort bereits während des Studiums durch ihren musikalischen Brückenschlag zwischen klassischer Gitarre, Pop- und Jazz-Gesang sowie als Ensemblemusikerin einen Namen. Gefördert wurde sie unter anderem durch ein Stipendium der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Musikhochschule Detmold und durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW. Ihre musikalische Vielseitigkeit stellte sie auch in ihrem Projekt Duo Nashira unter Beweis, in dem sie zusammen mit der Sängerin und Schauspielerin Burçin Keskin ostanatolische Volkslieder in populärem Gewand aufbereitete. Sümeyye Ergün lebt und arbeitet als Solo-Künstlerin und Musikschullehrerin in Köln.
Die Veranstaltung ist Teil der Aktionswoche zum Internationalen Frauentag 2026, die das Amt für Kultur und Weiterbildung gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten der Kreisstadt Unna am und in der Woche nach dem 08. März 2026 veranstaltet. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen zu einem bunten Reigen an Veranstaltungen. Im Fokus stehen Frauen, die ihre eigenen Wege gegangen sind, zum Teil ganz wortwörtlich. Am 08.03.2026 werden außerdem in einem Festakt gleich zwei Jubiläen gefeiert: 2026 wird das Mädchen- und Frauennetzwerk Unna 30 Jahre alt, außerdem hat 1986, also vor dann 40 Jahren, die erste Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Unna ihren Dienst angetreten. Zwei Gründe mehr, in einer Aktionswoche auf die Errungenschaft und weiterhin bestehenden Herausforderungen der Frauenrechte zu schauen.
Die Veranstaltungen ist kostenfrei, um Anmeldung unter gesine.heger@stadt-unna.de wird gebeten.
Veranstalter: Amt für Kultur und Weiterbildung Kreisstadt Unna, Gleichstellungsbeauftragte Kreisstadt Unna