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Glück gehabt

Es fällt Menschen oftmals schwer, sich einzugestehen, dass sie einfach großes Glück hatten. Ihr Vermögen haben sie sich erarbeitet, selbst wenn es vor allem durch den Tod eines Verwandten auf dem Konto gelandet ist. Der Erfolg in Film, Musik oder Internet rührt von den eigenen Anstrengungen her und nicht davon, dass eventuell die richtigen Personen zur richtigen Zeit ein Auge auf die damals noch weitaus weniger erfolgreichen Kunstschaffenden geworfen haben. Wer am Kickertisch gewonnen hat, tat dies aufgrund der eigenen Bestleistung und nicht wegen der zwanzig Bier, die sich das gegnerische Team vorher in Rekordzeit in die neuronale Dachrinne gescheppert hat. So hält man sich fest an der eigenen Wirksamkeit und kann weitaus einfacher erklären, warum andere nicht diesen bestimmten Punkt im Leben erreichen.

Dieses Eingeständnis des Glücks geht oft mit der Erkenntnis einher, dass man nicht zu den Menschen gehört, die deutlich mehr Pech in ihrer Biografie hatten. Und das ist das nächste Problem. Man will ja weiter dazugehören. Man will nicht offen zugeben, dass man einen besseren Status hat. So erzählt Olaf Scholz, dass er noch immer zur Mittelschicht gehöre, oder die alte Binsenweisheit, dass Geld nicht glücklich mache, wird aus dem Sack gezaubert. Es ist natürlich nur Zufall, dass sie ihre Freundschaften weitaus seltener zu ärmeren Menschen pflegen. Man läuft sich halt so selten über den Weg, wie soll da denn etwas entstehen? Da kann man ja nun wirklich nichts dran ändern.

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von Malte Küppers

Aktuelle Veranstaltungen

Lesung

18. Oktober

2026

11:00 Uhr

Immanuelkirche, Kaiser-Wilhelm-Str. 21, 45476 Mülheim

Shelly Kupferberg „Stunden wie Tage“

In diesem diesem literarischen Gottesdienst stellt Shelly Kupferberg eine jüdische Familiengeschichte vor, die sich vom Berlin der 1940er Jahre bis in die Gegenwart erstreckt.

@Heike Steinweg

Berlin in den 1940er-Jahren: Martha E. ist fleißig und äußerst sparsam. Gute Eigenschaften für die Stelle als Hausbesorgerin, die sie im Schöneberger Mietshaus der Brüder Berkowitz innehat.

Liane Berkowitz kommt aus gutem Hause, ein neugieriges und lebenslustiges Mädchen, das mitten im Krieg die Liebe kennenlernt – und den Widerstand gegen die Nationalsozialisten.

Jahrzehnte später wandert Martha die Straßen Schönebergs entlang, zerlumpt und abgerissen. Jeder kennt sie, doch keiner weiß, wer sie wirklich ist: eine Millionärin und Zeugin von Lianes schicksalhaftem Leben.

Shelly Kupferberg, geboren 1974 in Tel Aviv, ist in Westberlin aufgewachsen und hat Publizistik, Theater- und Musikwissenschaften studiert. Sie ist Journalistin und moderiert für ›Deutschlandfunk Kultur‹ und ›RBB radio3‹ Sendungen zu Kultur und Gesellschaft. Ihr erstes Buch „Isidor“ erschien 2022. Shelly Kupferberg lebt mit ihrer Familie in Berlin.

Veranstalter: Evangelische Kirche Mülheim, Buchladen Hilberath und Lange

Tickets in €: frei

Workshop/Seminar

19. Oktober - 24. Oktober

2026

19. Oktober 2026 ab 11:00 Uhr

24. Oktober 2026 bis 15:00 Uhr


Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Europaplatz 1, 44791 Bochum

Sagenhafte Geschichtenwerkstatt: Von Werwölfen, Seherinnen & Kupferkerln

Vom 19. bis 24. Oktober 2026 lädt das Museum Kinder zwischen 10 und 12 Jahren zur Geschichtenwerkstatt „Von Werwölfen, Seherinnen & Kupferkerln – eine sagenhafte Geschichtenwerkstatt“ ein.

Mit spielerischen Methoden aus Literatur und Museumspädagogik entwickeln die Teilnehmenden eigene Erzählungen und lernen, diese frei und lebendig vorzutragen. Ausgehend von ihren eigenen Lebenswelten und inspiriert von der Bergmannskultur sowie der Geschichte des Ruhrgebiets gestalten sie ihre Erzählungen. Zum Abschluss können die jungen Erzählerinnen und Erzähler ihre Werke Familienmitgliedern und Gleichaltrigen präsentieren.

Die Werkstatt findet täglich in zwei Gruppen statt: von 10 bis 12 Uhr und von 13 bis 15 Uhr. Die Plätze sind begrenzt, eine Anmeldung ist erforderlich.
Weitere Informationen und Anmeldung unter der Telefonnummer: 0234 5877-220.

Veranstalter: Deutsches Bergbau-Museum

Tickets in €: frei

Lesung und Gespräch

20. Oktober

2026

19:30 Uhr

literaturhaus.dortmund, Neuer Graben 78, 44139 Dortmund

Slata Roschal „Es ist die Leichtigkeit, die den Herrn am Tisch von der Putzfrau unterscheidet“

Wo Wellness auf Arbeit trifft. Ein Roman über Kapitalismus und Dekadenz.

Cover von Es ist die Leichtigkeit, die den Herrn am Tisch von der Putzfrau unterscheidet von Slata Roschal: Rosa Hintergrund, ein silbernes Handmikrofon steckt in Stoff und zieht Falten, schwarzer Titeltext.

Claassen Verlag

Lea Stein reist zu einem Bewerbungsgespräch ins Hotel Schillerhof Resort & Spa – ihre letzte Chance auf einen Neuanfang. Die junge Mutter hofft auf einen Job beim Literaturagenten Erwin Groß. Während Lea durch die Welt der Wohlhabenden laviert – unsicher, beobachtend, rechnend –, putzen Migrantinnen die Zimmer und halten die luxuriöse Fassade aufrecht. Erwin Groß schläft schlecht, trotz Erfolg, und sucht jemanden für die unangenehmen Aufgaben – günstig, versteht sich.

Als ein Autor tot in seinem Zimmer aufgefunden wird, ändert sich alles: Wer darf hier sein? Wer muss gehen? Und wer entfernt das Blut aus dem Teppich?
Slata Roschal erzählt mit messerscharfer Präzision von Klassenunterschieden, die sich in Trinkgeldern, gebügelten Servietten und Sitzordnungen manifestieren. Ein Roman über Menschen, die servieren, und Menschen, die sich bedienen lassen – lakonisch, bitterkomisch und von erschreckender Gegenwärtigkeit.

Slata Roschal, geboren 1992 in Sankt Petersburg, promovierte an der LMU München in der Literaturwissenschaft. Für ihr literarisches Schaffen erhielt sie zahlreiche Stipendien und Preise, darunter den Bücher- Frauen-Literaturpreis und den Kunstförderpreis des Freistaates Bayern. Ihr Romandebüt „153 Formen des Nichtseins“ wurde 2022 für den Deutschen Buchpreis nominiert. 2024 erschien mit „Ich möchte Wein trinken und auf das Ende der Welt warten“ ihr zweiter Roman.

Veranstalter: literaturhaus.dortmund

Tickets in €: ab 5,-

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Lesezirkel

Großes Finale im Lesezirkel mit „Paradise Garden“ von Elena Fischer

Der Lesezirkel wurde Ende 2023 eingestellt. Hier finden Sie aber noch alle Leserunden.

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