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reden

Glück gehabt

Es fällt Menschen oftmals schwer, sich einzugestehen, dass sie einfach großes Glück hatten. Ihr Vermögen haben sie sich erarbeitet, selbst wenn es vor allem durch den Tod eines Verwandten auf dem Konto gelandet ist. Der Erfolg in Film, Musik oder Internet rührt von den eigenen Anstrengungen her und nicht davon, dass eventuell die richtigen Personen zur richtigen Zeit ein Auge auf die damals noch weitaus weniger erfolgreichen Kunstschaffenden geworfen haben. Wer am Kickertisch gewonnen hat, tat dies aufgrund der eigenen Bestleistung und nicht wegen der zwanzig Bier, die sich das gegnerische Team vorher in Rekordzeit in die neuronale Dachrinne gescheppert hat. So hält man sich fest an der eigenen Wirksamkeit und kann weitaus einfacher erklären, warum andere nicht diesen bestimmten Punkt im Leben erreichen.

Dieses Eingeständnis des Glücks geht oft mit der Erkenntnis einher, dass man nicht zu den Menschen gehört, die deutlich mehr Pech in ihrer Biografie hatten. Und das ist das nächste Problem. Man will ja weiter dazugehören. Man will nicht offen zugeben, dass man einen besseren Status hat. So erzählt Olaf Scholz, dass er noch immer zur Mittelschicht gehöre, oder die alte Binsenweisheit, dass Geld nicht glücklich mache, wird aus dem Sack gezaubert. Es ist natürlich nur Zufall, dass sie ihre Freundschaften weitaus seltener zu ärmeren Menschen pflegen. Man läuft sich halt so selten über den Weg, wie soll da denn etwas entstehen? Da kann man ja nun wirklich nichts dran ändern.

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von Malte Küppers

Aktuelle Veranstaltungen

Lesung und Gespräch

11. Juni

2026

19:30 Uhr

literaturhaus.dortmund, Neuer Graben 78, 44139 Dortmund

Anne Sauer „Im Leben nebenan“

Toni erwacht nicht wie gewohnt neben ihrem langjährigen Freund auf, sondern ist plötzlich frischgewordene Mutter im Dorf ihrer Kindheit. Der Vater ist offenbar ihre erste große Liebe.

Buchcover: dtv Verlag

Eines Morgens erwacht Toni nicht wie gewohnt neben ihrem langjährigen Freund in ihrer kleinen Altbauwohnung, weil die Dielen knarren und die Nachbarn viel zu laut sind. Nein. Zu ihrer Verwunderung befindet sie sich in einer großzügig geschnittenen Wohnung. Alles hell, ordentlich, teuer eingerichtet. Und der Blick aus dem Fenster? Seltsam vertraut. Antonia versteht: Sie ist wieder in dem Dorf ihrer Kindheit. Nach und nach erfährt sie, dass sie hier ein beschauliches Leben führt, bürgerlich geordnet, mit Auto vor der Tür, Schwiegermutter nebenan und Kind auf dem Schoß. Kind auf dem Schoß? Antonia kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ist das etwa ihr Baby? Und der Vater dazu? Offenbar ihre erste große Liebe – ein Mann, den sie nie ganz vergessen konnte.

Anne Sauer erzählt davon, wie das eigene Leben verlaufen könnte, hätte man die eine entscheidende Abzweigung nicht genommen. ‹Im Leben nebenan› spiegelt zwei Lebensszenarien einer jungen Frau, erzählt im Wechsel von zwei Versionen eines Lebens und nimmt dabei mit gebotenem Humor, Gefühl und Leichtigkeit den Horror von gewollter und ungewollter Mutterschaft in den Blick: das große Glück mit Kind, aber auch: ohne Kind zu leben.

Nominiert für den aspekte-Literaturpreis 2025.

Anne Sauer (*1989) lebt als freie Autorin und Moderatorin Hamburg. Sie ist Teil von Literaturjurys und empfiehlt seit vielen Jahren aktuelle Gegenwartsliteratur, u. a. im Podcast ›MONATSLESE‹ oder als @fuxbooks auf Instagram. 2024 erschien ihr viel beachtetes Essay über Taylor Swift. ›Im Leben nebenan‹ ist ihr Romandebüt, mit dem sie direkt auf der SPIEGEL-Bestsellerliste einstieg und für den aspekte-Literaturpreis sowie den Harbour-Front-Debütpreis nominiert war.

Veranstalter: literaturhaus.dortmund

Tickets in €: 5,- / frei (erm.)

Lesung und Gespräch

11. Juni

2026

19:00 Uhr

Kulturzentrum Grend, Westfalenstraße 311, 45276 Essen

Yasemin Toprak „Die Tochter, die niemand wollte“

Was passiert, wenn der Weg zur Selbstbestimmung durch die Trümmer der eigenen Herkunft führt? Yasemin Toprak beschreibt ihren radikalen Bruch mit einem System aus Erwartungen und Schweigen.

Buchcover: Ulrike Helmer Verlag

Als Frau mit jesidischem Hintergrund thematisiert sie nicht nur die patriarchalen Strukturen innerhalb ihrer Community, sondern auch die verheerenden Folgen, die ein „Nein“ nach sich zieht. Der Kontaktabbruch zur Familie war für sie kein einfacher Befreiungsschlag, sondern ein schmerzhafter Prozess, der soziale Isolation und den Verlust der bisherigen Identität bedeutete.

An diesem Abend liest die Autorin und Podcasterin aus ihrem Werk und analysiert im Gespräch die Schnittstellen zwischen kultureller Prägung, feministischem Widerstand und dem Mut, für die eigene Autonomie alles zu riskieren. Eine Lesung über den Schmerz des Gehens – und die Notwendigkeit, sich selbst zu finden.

Yasemin Toprak, geboren 1991 in Hessen, lebt in Duisburg. Sie wuchs in einem streng patriarchalen Umfeld auf, in dem Gewalt, Ausgrenzung und familiäre Ablehnung ihren Alltag prägten. Nach einem öffentlichen Bruch mit ihrer ethnischen Community musste sie sich ein neues Leben in einer Gesellschaft aufbauen, die für Menschen wie sie keinen Platz vorgesehen hatte – als Frau, als Migrantin, als Überlebende.

Veranstalter: Kulturzentrum Grend Essen

Tickets in €: frei

11. Juni

2026

20:00 Uhr

Die Trompete Viktoriastr. 45, 44787 Bochum

Speak Easy Stage – Poetry Slam

Frische Texte, wilde Metaphern und feinster Wortwitz von Poetry-Newcomerinnen und bekannten Stars der Szene!

Speak Easy Stage in Bochum, (c) Die Trompete

Ab dem 12.02 heißt es wieder alle zwei Monate: Speak Easy Stage – Poetry Slam im in der Trompete!

Durch den Abend führen Evgenija Kosov und Luise Wolff – mit einem offenen Ohr für alles, was ihr auf die Bühne bringt.

Und jetzt kommt’s: Wenn du (ja, genau du!) Bock hast, mitzumachen, schreib uns eine Mail an speakeasystage@gmx.de oder eine DM an @speakeasytrompete auf Instagram – und auch du bekommst deine fünf Minuten auf der Bühne.

Einlass: 19 Uhr
Beginn: 20 Uhr

Eintritt: 10 € // ermäßigt* 7 €
VVK: 7 € // ermäßigt* 5 €

*ermäßigt für Studierende, Azubis, Schülerinnen, Rentnerinnen und Schwerbehinderte.

Veranstalter: Die Trompete

Tickets in €: 10,- / Erm. 7,-

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Lesezirkel

Großes Finale im Lesezirkel mit „Paradise Garden“ von Elena Fischer

Der Lesezirkel wurde Ende 2023 eingestellt. Hier finden Sie aber noch alle Leserunden.

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