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Glück gehabt

Es fällt Menschen oftmals schwer, sich einzugestehen, dass sie einfach großes Glück hatten. Ihr Vermögen haben sie sich erarbeitet, selbst wenn es vor allem durch den Tod eines Verwandten auf dem Konto gelandet ist. Der Erfolg in Film, Musik oder Internet rührt von den eigenen Anstrengungen her und nicht davon, dass eventuell die richtigen Personen zur richtigen Zeit ein Auge auf die damals noch weitaus weniger erfolgreichen Kunstschaffenden geworfen haben. Wer am Kickertisch gewonnen hat, tat dies aufgrund der eigenen Bestleistung und nicht wegen der zwanzig Bier, die sich das gegnerische Team vorher in Rekordzeit in die neuronale Dachrinne gescheppert hat. So hält man sich fest an der eigenen Wirksamkeit und kann weitaus einfacher erklären, warum andere nicht diesen bestimmten Punkt im Leben erreichen.

Dieses Eingeständnis des Glücks geht oft mit der Erkenntnis einher, dass man nicht zu den Menschen gehört, die deutlich mehr Pech in ihrer Biografie hatten. Und das ist das nächste Problem. Man will ja weiter dazugehören. Man will nicht offen zugeben, dass man einen besseren Status hat. So erzählt Olaf Scholz, dass er noch immer zur Mittelschicht gehöre, oder die alte Binsenweisheit, dass Geld nicht glücklich mache, wird aus dem Sack gezaubert. Es ist natürlich nur Zufall, dass sie ihre Freundschaften weitaus seltener zu ärmeren Menschen pflegen. Man läuft sich halt so selten über den Weg, wie soll da denn etwas entstehen? Da kann man ja nun wirklich nichts dran ändern.

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von Malte Küppers

Aktuelle Veranstaltungen

Bild und Text, Kinder- und Jugendbuch

29. April

2026

10:00 Uhr

Lebendige Bibliothek, Böckenhoffstr. 12a, 46236 Bottrop

Brabbelkäfer: Eine kreative Bücher-Spielgruppe

In dieser Spielgruppe erleben (Groß-) Eltern, Bezugspersonen und Kinder, was man alles mit (Papp-) Bilderbüchern machen kann.

Foto: Pia Löber-Wille

Der Nachmittag richtet sich an Eltern / Bezugsperson mit Kindern im Alter von 2 bis 3 Jahren. Ein Buch muss gar nicht (nur) vorgelesen werden! Wir erzählen, fragen, singen, spielen und basteln gemeinsam zu verschiedenen Geschichten und Figuren.

Erzählanlässe schaffen, kleine Geschichten und Reime erfinden und lesen, gemeinsam Zeit verbringen und Erinnerungen für Zuhause basteln. Denn so beginnt die Leseliebe!

Folgetermine: 06.05. / 13.05. / 20.05.2026

Anmeldung unter: Veranstaltungen.Bibliothek@Bottrop.de

Veranstalter: Lebendige Bibliothek, Pia Löber-Wille

Tickets in €: frei

Schreibwerkstatt

29. April

2026

18:00 Uhr

Bahnhof Langendreer Bochum, Wallbaumweg 108, 44894 Bochum

(Post)migrantisches Schreibcafé

Schreiben, Experimentieren mit Worten und Teilen deiner Geschichten: Dieses Treffen ist für allen offen, die eigene oder aus ihrer Familie überlieferte Geschichten von Migration haben.

Schreibst du gerne oder möchtest du es mal ausprobieren?
Willst du deinen Geschichten einen Platz geben?
Möchtest du das Schreiben in all seinen Formen entdecken: Kurzgeschichten, Gedichte, Tagebücher, Science-Fiction ...?
Willst du deine Texte teilen und andere Leute kennenlernen, die dich inspirieren?
Dann ist das hier dein Ort!
Das (Post-)migrantische Schreibcafé ist ein Ort zum Schreiben, Experimentieren mit Worten und Teilen deiner Geschichten.

FÜR WEN IST ES GEDACHT?
Dieses Treffen steht allen offen, die eigene oder aus ihrer Familie überlieferte Geschichten von Migration, Exil, Flucht oder Leben „zwischen den Kulturen“ haben. Du kannst in der Sprache oder den Sprachen schreiben, in denen du dich am wohlsten fühlst. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich: Bring einfach deine Worte und deine Lust am Schaffen mit.

WARUM DIESES SCHREIBCAFÉ?
Wir wollen Texte schaffen, die unsere (post-)migrantischen Erfahrungen festhalten und Wege erkunden, wie wir mit Brüchen und Unstimmigkeiten umgehen können. Das heißt aber nicht, dass du nur über diese Themen schreiben musst. Die Hauptidee und Priorität dieses Raums ist es, die Kreativität zu fördern.

WIE FUNKTIONIERT DAS?
Wir treffen uns, um gemeinsam zu schreiben und zu lesen.
Jede Sitzung beginnt mit einer kurzen Übung oder einer lustigen Frage, um Ideen zu wecken.
Danach schreibt jede:r über eigene Themen oder kann sich, wenn gewünscht, für eine geführte Übung entscheiden.
Am Ende kann jede:r, die:der möchte, den eigenen Text vorlesen und Feedback von der Gruppe erhalten.

WANN?
Am letzten Mittwoch des Monats von 18:00 bis 20:30 Uhr.

ANMELDUNG ODER FRAGEN?
Ihr könnt euch über das Online-Formular über den Ticketlink, per Instagram-DM an @bahnhof_politisch oder per Email an anmeldung@bahnhof-langendreer.de anmelden. Der Raum wird nach der Anmeldung bekanntgegeben.

Ein spannender, kreativer und sicherer Ort zum Schreiben, um sich inspirieren zu lassen und andere Leute kennenzulernen.

Wir freuen uns darauf, mit dir zusammen zu schreiben und Geschichten auszutauschen!

Veranstalter: Bahnhof Langendreer

Tickets in €: frei

Buchvorstellung, Lesung und Gespräch

29. April

2026

18:30 Uhr

College for Social Sciences and Humanities, UA Ruhr, Lindenallee 39, 45127 Essen

Steffen Martus „Erzählte Welt. Eine Literaturgeschichte der Gegenwart, 1989 bis heute“

Gesellschaft als Roman: Steffen Martus zeichnet ein Panorama der deutschen Literatur und ihrer Gesellschaft von 1989 bis zu den jüngsten Debatten um Migration, Identität oder Klassismus.

Steffen Martus, Foto: Annette Koroll

Ein dickes Buch über eine kurze Epoche? Der Berliner Literaturwissenschaftler Steffen Martus versenkt sich in "Erzählte Welt" (2025) in literarische Erzählungen, die tiefgreifende Umbrüche der Bundesrepublik Deutschland seit 1989 erfahrbar machen. Ihm gelingt eine virtuose Verbindung von Archivarbeit und Zeitdiagnose – niemals auf Kosten des Eigenlebens der Literatur.

Literatur ist Gesellschaft im Kleinen. Sie spiegelt nicht nur die fundamentalen Umbrüche, die immer schneller aufeinander folgen, sie durchlebt selbst die Krisen, die unsere Gegenwart ausmachen – sozial, politisch, ökonomisch und auch ästhetisch. 1989 wurden Autoren noch einmal auf die große Bühne gerufen: Von Christa Wolf erwarteten die Demonstranten auf dem Berliner Alexanderplatz Orientierung. Im "deutsch-deutschen Literaturstreit" und in den Skandalen um Strauß, Handke, Walser oder Grass veränderte sich die Öffentlichkeit von Grund auf. Die "Popliteratur" erklärte Autoren nur noch zu Marken unter anderen. Im Hintergrund erprobte Amazon am Beispiel des Buchs erstmals die Möglichkeiten des digitalen Kapitalismus. Literatur war in einer neuen Zeit angekommen, aber anders als einst erhofft.
Steffen Martus zeichnet ein Panorama der deutschen Literatur und ihrer Gesellschaft von 1989 bis zu den jüngsten Debatten um Migration, Identität oder Klassismus. Er öffnet die Augen für die Vielfalt der Literatur und zeigt, was sie über die Gegenwart verrät und für die Selbstverständigung unserer Gesellschaft bedeutet.

Im Gespräch erforschen Steffen Martus, Friedrich Balke und Julika Griem gemeinsam, wie sich eine gegenwartsbezogene Literaturgeschichte heute schreiben lässt, wo ihre Grenzen zu ziehen sind und was ihre Lesbarkeit garantieren kann.

Um Anmeldung über den Ticketlink bis 28. April 2026 wird gebeten.

Veranstalter: College for Social Sciences and Humanities, UA Ruhr

Tickets in €: frei

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Lesezirkel

Großes Finale im Lesezirkel mit „Paradise Garden“ von Elena Fischer

Der Lesezirkel wurde Ende 2023 eingestellt. Hier finden Sie aber noch alle Leserunden.

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