Ausgezeichnet

40 Jahre Literaturpreis Ruhr: Sarah Jäger gewinnt den Jubiläums-Hauptpreis

Der Förderpreis geht an Ajda Coşar. Till Beckmann wird mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet.

Sarah Jäger erhält von RVR-Direktor Garrelt Duin den Literaturpreis Ruhr. Foto: Volker Wiciok

Den mit 15.000 Euro dotierten Hauptpreis des Literaturpreis Ruhr bekommt Sarah Jäger für ihren Jugendroman „Das Feuer vergessen wir nicht“. Garrelt Duin, Regionaldirektor des Regionalverband Ruhr, übergab den Preis in der Mathias-Jacobs-Stadthalle in Gladbeck. Die Essenerin setzte sich bei ihrer dritten Nominierung gegen die vier Mitnominierten Uwe Carow („Im Dunkeln zu Hause“), Denis Pfabe („Die Möglichkeit einer Ordnung“), Patrik Peyn („die leere in der orangerie“) und Vera Zischke („Pina fällt aus“) durch.

Hauptpreis für Sarah Jäger

Sarah Jäger erzählt in „Das Feuer vergessen wir nicht“ in ebenso poetischer wie glaubwürdiger Sprache von der 17-jährigen Ari, ihren engsten Freunden Mirjam und Milan und ihrer ersten Liebe. Beim Vorlesen in einem Altenheim begegnet Ari Flint, der dort Sozialstunden ableistet. Als eine Bewohnerin vom Streik der Londoner Streichholzarbeiterinnen im Jahr 1888 erzählt, beginnt Ari, neu über ihr eigenes Leben nachzudenken. Laudator

Jürgen Brôcan würdigte besonders die einfühlsame und sinnliche Wahrnehmung der jungen Figuren. Jägers Roman stelle Fragen, ohne vorschnell zu urteilen, und bewahre trotz aller Konflikte ein utopisches Moment. Ihre Bücher seien „große Literatur, stilistisch elegant und stets originell konstruiert“ – und ließen die Grenze zwischen Jugend- und Erwachsenenliteratur durchlässig werden.

Sarah Jäger lebt und arbeitet im Ruhrgebiet, zuerst als Call-Center-Agentin, später als freiberufliche Theaterpädagogin. Seit 2016 ist sie Buchhändlerin. Für ihren Roman „Nach vorn, nach Süden“ erhielt sie unter anderem den „Luchs des Monats“ der ZEIT sowie das Kranichsteiner Jugendliteraturstipendium und stand auf der Shortlist des Literaturpreis Ruhr. Ihr zweiter Roman „Die Nacht so groß wie wir“ war für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2022 nominiert und wurde an mehreren Theatern aufgeführt. Mit ihrem vierten Roman „Und die Welt, sie fliegt hoch“ erhielt Sarah Jäger den Deutschen Jugendliteraturpreis 2025.

RVR-Regionaldirektor Garrelt Duin:

Der Literaturpreis Ruhr zeichnet nun bereits seit 40 Jahren herausragende literarische Werke aus, die das Ruhrgebiet in all seinen Facetten beschreiben. Dass mit Sarah Jägers Roman „Das Feuer vergessen wir nicht“ ein mitreißender Roman für Jugendliche den Hauptpreis gewinnt, freut mich ganz besonders. Wer junge Menschen fürs Lesen gewinnen will, muss ihnen gute Geschichten geben – und dafür sorgen, dass diese Geschichten gesehen werden. Das ist Aufgabe des Literaturpreises Ruhr: Die Bücher zu entdecken und ins Schaufenster zu stellen!

Ajda Coşar bekommt den Förderpreis von Sonja Leidemann, RVR. Links Moderator Max Moor. Foto Anna-Lisa Konrad

Förderpreis für Ajda Coşar

„Nimmersatt“ ist ein mehrsprachiges Prosagedicht und poetisches Programm zugleich: Das lyrische Ich hungert nach Worten und verschlingt Sprachen, Gesprächsfetzen, Alliterationen und Sprachnachrichten. Deutsch verbindet sich unter anderem mit Türkisch, Kurdisch, Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch. So entsteht eine selbstbewusste, vielstimmige Literatur, die Raum beansprucht und gehört werden will. Die Förderpreisjury überzeugten die Vielsprachigkeit und die große Energie des Textes. Coşars Lyrik greife Erfahrungen einer vielsprachigen Einwanderungsgesellschaft auf und frage zugleich danach, welche Sprachen als literarisch wertvoll wahrgenommen werden. Laudatorin Karin Yeşilada von der Ruhr Uni Bochum würdigte die „furchtlose Haltung“, die „Klarheit und Tiefe“ sowie die zugleich „rotzig-frische, nachdenklich-zarte“ Sprache der Autorin.

Ajda Coşar ist Psychologin und freie Autorin. Ihr Schreiben bewegt sich zwischen Prosa und Lyrik – ist laut, formspielend, verstehend und suchend zugleich. Mehrsprachigkeit spielt sowohl in ihrem Alltag als auch in ihrer literarischen Arbeit eine zentrale Rolle. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit leitet sie Workshops zu Mehrsprachigkeit und kultureller Praxis und veröffentlicht regelmäßig in Literaturzeitschriften und Anthologien.

Ehrenpreis für Till Beckmann

Till Beckmann erhielt den undotierten Ehrenpreis für seine besonderen Verdienste um die Literatur im Ruhrgebiet. Der 1985 in Recklinghausen geborene Schauspieler, Autor, Regisseur, Moderator und Veranstalter initiierte Wettbewerbe für junge Ruhrgebietsliteratur, gab Anthologien heraus und schuf mit den „Ruhrpoeten“ eine Plattform für neue Stimmen. Er bringt Literatur als Bühnenprogramm, Film, Hörspiel, Performance oder Audiotour an ungewöhnliche Orte. Gemeinsam mit seinem Bruder Nils Beckmann und Adolf Winkelmann schrieb er das Drehbuch zum Spielfilm „Junges Licht“ nach Ralf Rothmann; mit Jennifer Ewert entwickelte er die Audiotour „Overhausen – Ralf-Rothmann-Wege“. Der Ehrenpreis besteht aus einer Skulptur des Künstlers Peter Schloss.

Tills Bruder Nils Beckmann hebt in seiner Laudatio hervor, Till verstehe Literatur nicht als Bühne für sich selbst, sondern als Raum für alle, die mitmachen wollen. Neugier, Hingabe und die Förderung neuer Anfänge zeichneten seine Arbeit aus. Ralf Rothmann schickte Glückwünsche per Brief, aus dem Nils Beckmann zitierte. Sowohl Adolf Winkelmann, als auch Lina Beckmann und Charly Hübner gratulierten in einer Videobotschaft.

Hier das Video in voller Länge:

 

Die Jubiläumsgala zum 40jährigen Bestehen des Literaturpreis Ruhr wurde von Max Moor moderiert, Musik kam von der Band Stina Holmquist. Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, sprach ein Grußwort und überbrachte Glückwünsche:

Lust aufs Lesen ist noch immer die Schlüsselqualifikation für Bildung. Das gilt ganz besonders in einer zunehmend digitalen Welt. Der Regionalverband Ruhr und das Literaturbüro haben das früh erkannt. In diesem Jahr wird der renommierte Literaturpreis Ruhr bereits zum 40. Mal an herausragende Autorinnen und Autorinnen verliehen, die mit ihren ausgezeichneten Werken Lust aufs Lesen machen. Ich gratuliere dem Regionalverband Ruhr zum runden Geburtstag und allen Preisträgerinnen und Preisträgern zu dieser verdienten Auszeichnung.

Literaturpreis Ruhr 2026: Hauptpreis für Sarah Jäger! Foto: Anna-Lisa Konrad

Über den Literaturpreis Ruhr

Der Literaturpreis Ruhr ist die wichtigste ideelle wie materielle Auszeichnung für Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die im Ruhrgebiet leben, sowie für Autorinnen und Autoren von außerhalb, die über die Region schreiben. Er wird seit 1986 jährlich vom Regionalverband Ruhr vergeben und vom Literaturbüro Ruhr organisatorisch und konzeptionell betreut. Der Literaturpreis Ruhr und das Literaturbüro Ruhr feiern 2026 ihr 40-jähriges Bestehen.

Für den Hauptpreis kamen herausragende Titel aus dem Ruhrgebiet und über das Ruhrgebiet infrage, die im Zeitraum vom 1. Mai 2025 bis 30. April 2026 in einem Verlag oder per Selfpublishing erschienen sind. Der Hauptpreis ist mit 15.000 Euro dotiert.

Der Förderpreis wird an Nachwuchsschriftstellerinnen und Nachwuchsschriftsteller vergeben, die im Ruhrgebiet leben. Er ist mit 5.000 Euro dotiert.

Zu den Jurys geht es hier. 

Mit dem Ehrenpreis werden eine oder mehrere Personen oder eine Institution für herausragende Verdienste um die Literatur im Ruhrgebiet oder für das literarische, literaturwissenschaftliche, literaturkritische, organisatorische oder verlegerische Gesamtwerk ausgezeichnet. Der Ehrenpreis ist kein Jurypreis, sondern wird vom RVR in Absprache mit dem Literaturbüro Ruhr direkt vergeben.

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Nora Schramm ist Gelsenkirchens Writer in Residence 2026