Ausgezeichnet

Hier ist sie: Die Shortlist zum Literaturpreis Ruhr 2026

Diese fünf Bücher sind für den Hauptpreis nominiert

Ein autofiktionaler Künstlerroman, ein Jugendroman, ein Lyrikband, ein Baumarktroman und ein (Ersatz-)Familienroman: Das ist die Shortlist zum Literaturpreis Ruhr 2026.

Der Literaturpreis Ruhr 2026 wird am 15. September in der Mathias-Jakobs-Stadthalle während einer großen Gala verliehen. Jetzt steht fest, welche fünf Titel für den mit 15.000 Euro dotierten Hauptpreis infrage kommen.

Die Auswahl steht für die Vielfalt der Ruhrgebietsliteratur: Ein Lyrikband, ein Jugendroman, ein autofiktionaler Künstlerroman, ein  (Ersatz-)Familienroman und ein Roman aus der Kategorie Literatur der Arbeitswelt.

Doch der alpabetischen Reihe nach. Was die Jury über die nominierten Titel sagt:

Uwe Carow: Im Dunkeln zu Hause

Uwe Carow (Foto: Katrin Bongard) fängt in seinem autobiografisch inspirierten Roman das Lebensgefühl im Ruhrgebiet der siebziger Jahre ein, ohne in übliche Klischees zu verfallen. Ein junger Mann aus einer Bergarbeiterfamilie möchte als Maler die Tristesse seiner Lebenswelt durch Farben überwinden, zweifelt aber an den eigenen künstlerischen Fähigkeiten. Aus unprätentiösen, unaufgeregten Beschreibungen entsteht so ein Ruhrgebietsbild von poetischer Konzentration.

Uwe Carow, geboren in Bochum, hat an der Düsseldorfer Kunstakademie Bildhauerei und an der Ruhruniversität Bochum Kunstgeschichte und Germanistik studiert. Er arbeitet als freier Künstler in Berlin und Potsdam und hat drei Graphic Novels herausgebracht. Für seinen Lyrikband „Station UC“ bekam er 2012 mit dem Brandenburgischen Literaturpreis.

Sarah Jäger: Das Feuer vergessen wir nicht

Sarah Jäger erzählt in ebenso poetischer wie glaubwürdiger Sprache und mit großer Zuneigung zu ihren Figuren von Ari, ihren Lieblingsmenschen Mirjam und Milan und ihrer ersten Liebe: Beim Vorlesen im Altenheim trifft Ari Flint, der nicht ganz so freiwillig dort ist. Als eine Heimbewohnerin vom Streik der Streichholzarbeiterinnen im Jahr 1888 erzählt, stellt sich die 17-Jährige neue Fragen nach der Bedeutung ihres eigenen Lebens.

Sarah Jäger (Foto: Anna-Lisa Konrad) lebt und arbeitet im Ruhrgebiet, zuerst als Call Center Agentin, später dann als freiberufliche Theaterpädagogin. Seit 2016 ist sie Buchhändlerin. Für ihre Romane wurde sie vielfach für Preise nominiert und ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2025.

Patrik Peyn: die leere in der orangerie

Patrik Peyns Prosagedichte sind Annäherungen an Botanische Gärten größtenteils im Ruhrgebiet und ein origineller Beitrag zum Genre des Nature Writing. Mit Namen, Zitaten, Anspielungen erkunden sie die pflanzlichen Territorien ebenso wie die wilde und zugleich gebändigte Sprache dafür, bis an die unscharfen Ränder des Unsagbaren. Peyns sprachlicher Zugang ist kühn, frisch, modern, philosophisch, verzichtet jedoch auf experimentelle Auswüchse.

Patrik Peyn (Foto: Charlotte Wulff) wurde in Salzgitter geboren. Er studierte Mediale Künste an der Kunsthochschule für Medien in Köln und arbeitet als Filmvorführer in einem Kino. Im Jahr 2025 belegte er beim Preis für Moorliteratur den ersten Platz. „die leere in der orangerie“ ist sein erster Gedichtband.

Denis Pfabe: Die Möglichkeit einer Ordnung

Mit starken Bildern und unterhaltsamer Sprache erschafft Denis Pfabe einen Mikrokosmos Baumarkt, dem man sich kaum entziehen kann. Lupenreine Helden gibt es nicht, jede Figur ist auf ihre Art gebrochen. Alle ringen um ihren Platz in der Welt, kämpfen mit Digitalisierung und Leistungsdruck – und flüchten sich in Pornografie, Drogen, Affären. Große Themen verhandelt der Roman nebenbei, ohne Anklage oder Urteil: bitterböse und urkomisch.

Denis Pfabe, geboren in Bonn, ist gelernter Kaufmann im Einzelhandel und studierte Medienkommunikation und Journalismus. Im Jahr 2024 erhielt er den Deutschlandfunk-Preis bei den 48. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt. Denis Pfabe lebt in Bonn und fuhr lange Jahre Gabelstapler in einem Baumarkt. (Foto: Allan Larsen)

Vera Zischke: Pina fällt aus

Routinen sind wichtig für den 20-jährigen Leo, deswegen bringt seine Mutter Pina ihn jeden Dienstag zu Inge. Als Pina ihn nicht zur üblichen Zeit abholen kommt, sucht Inge Hilfe bei den Nachbarn. Gezwungenermaßen kümmert sich diese Ersatzfamilie um Leo. Ein warmherziger Roman, der zeigt, wie viel man erreichen kann, wenn man an einem Strang zieht, und wie gut Gemeinschaft und Solidarität tun.

Vera Zischke, im Rheinland geboren, ist ausgebildete Journalistin. Sie arbeitet als Zeitungsredakteurin und Schriftstellerin. Ihr Debütroman „Ava liebt noch“ wurde durch Empfehlungen auf Social Media 2025 zum Geheimtipp und Bestseller. Auf Instagram schreibt sie unter @verazischke über ihr Leben als „Tired Writing Mom“, manchmal auch über pflegende Elternschaft. Sie ist Mutter eines autistischen Kinds und lebt mit ihrer Familie in Essen. (Foto: Anna Schwartz)

Der vom Regionalverband Ruhr gestiftete Literaturpreis Ruhr besteht seit 1986 und feiert damit in diesem Jahr sein 40. Jubiläum. Ebenso wie das Literaturbüro Ruhr, das seit 1986 für Literatur im Revier zuständig ist und in Gladbeck als Anlaufstelle für die hiesige Szene dient. Aus diesem Grund findet die große Jubiläumsgala diesmal in Gladbeck statt: am 15. September 2026 in der Mathias-Jakobs-Stadthalle. Es moderiert Max Moor, Musik kommt von Stina Holmquist. Alle nominierten Autor*innen werden anwesend sein und Ausschnitte aus ihren Werken vorlesen.

Neben dem Hauptpreis werden ein Förderpreis und ein Ehrenpreis vergeben.

Für die Öffentlichkeit stehen über 200 kostenlose Karten bereit. Wer mitfeiern möchte, kann sich über das Formular auf der Website des Literaturbüro Ruhr anmelden.

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