An manchen Tagen beginnt der Literaturbetrieb mit einem Baggermanöver. Seit kurzem steht so einer direkt vor der Tür meiner Buchhandlung an der Bochumer Straße in Gelsenkirchen. Er ist knallgelb, hoch wie ein kleines Haus, mit einem langen, ungelenken Arm, der geduldig Erde und Schotter bewegt. Woher und wohin, das ist mir immer noch nicht ganz klar. Mal wird ein Kanalloch ausgehoben, mal ein neuer Teerweg für Autos verlegt, mal irgendetwas geschweißt. Gerade wird die Straße wieder aufgerissen, um eine Straßenbahnweiche zu verlegen. Vier Jahre lang soll dieses Schauspiel andauern, heißt es. Drei Spielzeiten finden offenbar direkt vor meinem Schaufenster statt.
Drinnen ist es trotz Einfachverglasung von 1902 und sehr aktiver Baggerei überraschend still. Ich sitze am Computer und surfe in Kund*innenabwesenheit zu Perlentaucher.de, um die tägliche Sammlung an Literaturkritiken aus den großen Zeitungen zu lesen. Es ist eine dieser Routinen des Buchhandels: ein schneller Blick darauf, worüber gerade gesprochen wird.
Nur dass es an diesem Tag nichts zu sehen gibt.
Es herrscht gähnende Leere im Literaturnetz, fast so wie im neuen Loch vor meiner Ladentür.