„Haymat?! Deutsch-türkische Literatur heute“ wird der Titel der ersten Poetikvorlesung lauten, halten wird sie Çiğdem Akyol. Die gebürtige Hernerin gewann den Literaturpreis Ruhr 2025 mit dem Roman „Geliebte Mutter – Canım Annem“. Wie in einem langen Brief erzählt sie die Geschichte einer Familie zwischen Istanbul und Herne. Ich-Erzählerin Meryem blickt vor allem auf die unglückliche Zwangsehe ihrer Mutter Aynur. Gefangen in einem Kreislauf von Gewalt, Verlusten und enttäuschten Hoffnungen sucht sie nach den Gründen für die Zerrissenheit ihrer Familie, die letzten Endes nicht weniger ist als das Beharren auf einem Traum von Freiheit.
Studierende der Komparatistik und anderer Fächer können Çiğdem Akyol, im Hauptberuf Redakteurin bei der Züricher Wochenzeitung WOZ, an diesen beiden Tagen im Rahmen der begleitenden Seminarveranstaltung näher kennenlernen und mit ihr über ihren Roman und ihr journalistisches Schreiben sprechen. Die Seminarveranstaltung wird eingeleitet von einer Einführung in die deutsch-türkische Literatur auf ihrem Weg von der Gastarbeiterliteratur zu einer Literatur, die, wie die Autorin Mely Kiyak 2006 schrieb, „angekommen [ist] und […] ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft dauerhaft einnimmt und von dort aus ihre Wirklichkeit erzählt.“
Im Zentrum der Begleitveranstaltung stehen exemplarische Lektüren verschiedener Autor*innen wir Fatma Aydemir, Dinçer Güçyeter, Mely Kiyak, Aras Ören, Emine Sevgi Özdamar, Tezer Özlü, Cemile Sahin, Zafer Şenocak, Deniz Utlu, Feridun Zaimoglu u.a.
Die Poetikdozentur Ruhr soll künftig jedes Jahr mit dem oder der amtierenden Träger*in des Literaturpreis Ruhr besetzt werden.