Juni 2026. Eine Hitzewelle überwältigt Gelsenkirchen. Sie ist kein Freund des Menschen, noch weniger des Stadtteilbuchhändlers: Steigt das Thermometer über 30° Celsius, verbringen die Leute ihre Zeit definitiv lieber woanders als im Buchladen. Ich hingegen bin auch jetzt gern hier, bei offener Tür, durch die mit fast unmerklichen Brisen auch das Dröhnen der Maschinen an der Großbaustelle hineinweht. Einen Monat Vollsperrung hat die Bochumer Straße gerade hinter sich. Erste Gehwege sind erneuert, aber vor dem Laden sieht noch alles aus wie vorher. Manchmal ruckelt es im Untergrund, irgendwo entstehen Abgase. Die Arbeiter tragen keine Lärmschutzkopfhörer, ich solidarisiere mich mit ihnen.
Mittels Absperrungen sind auf der Länge von 20 Häuserfronten drei leere Plätze auf der Straßenfläche aus bloßem Schotter entstanden. Sie sind leer, scheinbar ohne echte Funktion – und gerade deshalb faszinieren sie mich, in akademischer Sichtweise sozusagen. Denn ich möchte meinen, dass ich inzwischen zu so etwas wie einem professionellen Baustellenphilosophen geworden bin.