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Literaturpreis Ruhr 2022: Hier sind die Kandidaten

Der Hauptpreis wird für ein aktuelles Buch vergeben. Die Shortlist in alphabetischer Reihenfolge:

Annika Büsing: Nordstadt

Jede Ruhrgebietsstadt hat eine Nordstadt. Wer dort herkommt, startet mit schwerem Gepäck ins Leben – so wie Bademeisterin Nene und der arbeitslose, behinderte Boris. Im Schwimmbad lernen sie, nicht unterzugehen und einander über Wasser zu halten. Bei Büsing sitzt jedes Wort, sie seziert die Verhältnisse messerscharf und erzählt mit Humor und mit großer Empathie für die, denen von Anfang an wenig gegeben und viel genommen wird. Eine schnelle, raue Liebesgeschichte von robuster Sensibilität und mit Zuversicht: ein beeindruckendes Debüt.

Andreas Fischer: Die Königin von Troisdorf – wie der Endsieg ausblieb

Über drei Generationen und hundert Jahre hinweg (von 1914 bis 2014) erzählt Andreas Fischer die Geschichte der eigenen Familie, deren Wurzeln in Gelsenkirchen liegen. Er berichtet in klarer Prosa und mit Originaldokumenten angereichert von den Kriegen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die die Menschen prägen, wie sie sie im Innern begrenzen und ebenso über sich hinauswachsen lassen. So entstehen trotz der nüchternen Erzählung komplexe Charaktere. Das gilt insbesondere für Oma Lena, die „Königin von Troisdorf“. Eine Familiengeschichte, die viele in Deutschland kennen, in dieser Umsetzung einzigartig lesenswert.

Jörg Hilbert: Coco Stolperbein

Als Familie Stolperbein ins frisch renovierte Dachgeschoss zieht, bringt die kleine Tochter Coco das geordnete Leben der alteingesessenen Nachbarschaft gehörig durcheinander. In diesem liebevoll und hochwertig gestalteten Bilderbuch vermittelt Autor Jörg Hilbert, bekannt für seine „Ritter Rost“-Saga, in eingängigen, lustigen Reimen schon den Jüngsten so wichtige Themen wie Toleranz, Vielfalt und Freundschaft. Ein Kinderbuch zum Vor- und Immer-wieder-Lesen.

Hilmar Klute: Die schweigsamen Affen der Dinge

Hilmar Klute nimmt uns an der Seite seiner Hauptfigur Henning mit auf eine Heimreise, die in die Ferne führen wird – und doch ganz zu sich selbst. Er erzählt von einem, der abgeschlossen hat mit dem Arbeitermilieu, aus dem er stammt, der schon lange Abschied genommen hat vom Vater. Zu dessen Beerdigung kommt er nun doch noch einmal ins Ruhrgebiet und fragt sich, ob der Blick des Vaters vielleicht weiter reichte als knapp hinter die angegraute Gardine. Ein packender Roman über eine Vatersuche, über die Überwindung von Bildungsschranken und die Kraft der Literatur.

Jan Weiler: Der Markisenmann

Ein Coming of Age-Roman mit Humor und Tiefgang: Kim ist 16 und „schwierig“. In diesem Sommer lernt sie ihren leiblichen Vater kennen, einen erfolglosen Vertreter für Markisen aus DDR-Restbeständen mit Wohn- und Lagerhalle in Duisburg-Meiderich. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten begleitet Kim den „Markisenmann“ auf eine skurrile Verkaufstour durch das Ruhrgebiet. Doch unter der Oberfläche der unterhaltsamen Geschichte stellen sich ernsthafte Fragen nach Schuld und Verantwortung. Am Ende dieses Roadmovies von der A40 hat sich das Leben von Tochter und Vater nachhaltig verändert.

Für den Hauptpreis kamen herausragende Titel aus dem Ruhrgebiet und über das Ruhrgebiet in Frage, die im Zeitraum vom 1. Mai 2021 bis 30. April 2022 in einem Verlag oder per Selfpublishing erschienen sind. 53 literarische Werke aus unterschiedlichen Genres standen auf der Leseliste der Jury.

Der Preisträger bzw. die Preisträgerin wird am 15. September 2022 bekannt gegeben. An diesem Tag findet die Gala zur Preisverleihung in Witten statt.

 

Der Jury des Hauptpreises gehören in diesem Jahr an:

  • Christa Becker-Lettow
    RVR-Ausschuss für Kultur, Sport und Vielfalt
  • Cathrin Brackmann
    Journalistin, Moderatorin und Literaturexpertin bei WDR 4
  • Patrick Musial
    Buchhändler, ehem. Buchhandlung Musial, Recklinghausen
  • Karla Paul
    Literaturbloggerin www.buchkolumne.de
  • Prof. Dr. Alexandra Pontzen
    Germanistik/Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Fakultät für Geisteswissenschaften, Universität Essen-Duisburg
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