Nachruf

Zum Tod von Sabine Deitmer

von Reinhard Jahn
(Bochumer Krimi-Archiv)

Sabine Deitmer

(1947 – 2020)

Sie war eine Autorin, Kollegin, eine Frau, die stets ihren Punkt zu machen wusste. Etwa gleich zu Beginn ihrer Karriere, als sie 1988 mit „Bye-bye, Bruno“ die deutsche Krimibühne betrat. Kriminalstories, die nicht umsonst in einer Reihe mit dem programmatischen Titel „Die Frau in der Gesellschaft“ erschienen. Mordgeschichten, in denen sich Frauen ihrer mehr oder minder  lästigen Männer entledigten – und  das ungestraft. Dass sie das  taten – und tun durften – das war der Punkt, den sie als Krimiautorin machte: Sabine Deitmer, 1947 in  Thüringen geboren, hatte ihre Abschlussarbeit an der Uni über die Rezeption von  Agatha Christie geschrieben und war nach „Lehr- und Wanderjahren“ in Brighton, Bristol, Berlin und am Bodensee schließlich im Ruhrgebiet aufgeschlagen. Sie war eine Kollegin, die sich für die Förderung junger Autorinnen einsetzte, war als Mitbegründerin der damaligen  „Sisters in Crime“ (später „Die mörderischen Schwestern“) eine der ersten Netzwerkerinnen der Krimiszene.

La Deitmer bildete mit Ingrid Noll und Doris Gercke die Trias des deutschen Frauenkrimis seiner Zeit. Ihre Kommissarin Beate Stein, die sie 1993 nach drei erfolgreichen Storybänden mit dem augenzwinkernden Auftrittssatz „Mein Name ist Stein, Beate Stein“ ins Feld schickte,  war so etwas wie die große Schwester aller Rosa Roths und der anderen Kommissarinnen, die seitdem die deutschen Romane und Bildschirme bevölkern.

Sabine Deitmers Stories und noch mehr ihre fünf Beate Stein-Romane arbeiten über den bloßen  Frauenkrimi-Aspekt stets auch immer die sozialen, gesellschaftlichen und politischen Zusammenhänge heraus,  denen sich Frauen ausgesetzt sehen und in  denen sie sich behaupten müssen. Dabei entdeckt Sabine Deitmer die immergleichen Strukturen – vom  Rotlichtmilieu über die freie Wirtschaft bis hin zur kommunalen Verwaltung.  „Thema waren für mich die Frauen, deren Wege zu Glück und Zufriedenheit, jenseits der Bilder, die unsere Kultur für Frauen parat hält“, hat sie in einem Interview dazu gesagt.

Entschieden, entschlossen, charmant und ebenso spitzfindig wie –züngig, war sie eben eine Frau, die es verstand, ihren Punkt zu machen. Bye-bye, Sabine.

Ein ausführliches Interview mit Sabine Deitmer, das Almuth Heuner und Reinhard Jahn im Jahr 2004 mit ihr führten, findet sich hier.

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