Ausgezeichnet

LiteraturTaler 2026 geht an Herbert Somplatzki

Der heute 92jährige Autor und ehemalige Bergmann hat immer für die Literatur in NRW gekämpft - auch im Boxring

Das Bundesverdienstkreuz am Bande hat er schon. Jetzt bekommt er auch den LiteraturTaler des LiteraturRat NRW: Herbert Somplatzki. Foto: Gerlinde Bahr-Somplatzki (restauriert mit KI).

Der LiteraturRat NRW feiert in diesem Jahr sein 40. Bestehen. Zu diesem Jubiläum zeichnet der LiteraturRat NRW einen seiner Mitbegründer, den 92jährigen Autor Herbert Somplatzki, für seine außerordentlichen Verdienste um die Literatur in Nordrhein-Westfalen mit dem LiteraturTaler 2026 aus.

Jörg Albrecht, Vorsitzender des LiteraturRat NRW: „Nicht nur hat Herbert Somplatzki sich jahrzehntelang in vielfältiger Weise und mit enormem persönlichen Einsatz um die Literatur in Nordrhein-Westfalen und weit darüber hinaus verdient gemacht. Noch heute profitiert die hiesige Literaturszene von Vielem, was er auf den Weg gebracht hat. Dass er nach wie vor aktiv am literarischen Leben in NRW teilnimmt, freut uns ganz besonders!“

Herbert Somplatzki wurde 1934 in Masuren geboren und kam nach Flucht und Vertreibung 1946 nach Westfalen. Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg konnte er nur sechs Jahre zur Schule gehen, danach arbeitete er elf Jahre als Bergmann. An der Sporthochschule Köln wurde er als Ausnahmestudent zum Diplom-Sportlehrer ausgebildet, später studierte er in Essen zusätzlich Germanistik, Kunst und Erziehungswissenschaften mit dem Abschluss Diplom-Pädagoge.

1974 erschien sein erster Roman, „Muskelschrott“, über die Arbeitswelt unter Tage. Rund 50 weitere Bücher folgten. Durch Somplatzkis umfangreiches schriftstellerisches Werk ziehen sich seine Lebensthemen Kriegserfahrung, Flucht, Arbeit, aber auch Sport und Wettkampf. Körper und Geist waren Somplatzki immer gleich wichtig; 1981 belegte er sogar den 3. Platz bei den Deutschen Meisterschaften im Bodybuilding.

"In Pose: Starker Schriftsteller Herbert Somplatzki" lautete die Bildunterschrift in der WAZ, die den Autor und Bodybuilder 1981 porträtierte. Kurze Zeit später sollte er Dritter bei den Deutschen Meisterschaften im Bodybuilding werden. Foto: Carlo Bröcher

Neben Romanen für Kinder, Erwachsene und Jugendliche schrieb er Erzählungen, dramatische Texte, Hörbücher und Lieder. Schon früh arbeitete er dabei spartenübergreifend, war selbst als Grafiker tätig und suchte regelmäßig die Zusammenarbeit mit Musiker*innen. Ein besonderes Augenmerk seiner Arbeit als Autor lag auf der Leseförderung und generell auf dem Austausch mit jungen Menschen, wobei er die Literatur immer auch als Mittel des friedensstiftenden, versöhnenden Austauschs und der produktiven Diskussion begriff.

Sein Wirken als Literaturlobbyist und aktiver Gestalter der Literaturlandschaft NRWs setzte ganz ähnliche thematische Akzente: Als Mitglied des Friedrich-Bödecker-Kreises und der Landesarbeitsgemeinschaft Jugend und Literatur in NRW stach auch hier die Nachwuchsarbeit und der Austausch mit der Jugend ins Auge. Mit seinem (kultur-) politischen Engagement als Gründungsmitglied des LiteraturRat NRW, als Mitbegründer und erstem Leiter des Literaturbüro NRW-Ruhrgebiet (heute Literaturbüro Ruhr) sowie als stellvertretender Landesvorsitzender des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) in Nordrhein-Westfalen hat er Autorinnen und Autoren sowie der Literatur genauso zu Sichtbarkeit verholfen wie als langjähriges Mitglied des Westfälischen Literaturbüros, der Kulturpolitischen Gesellschaft, des Werkkreises Literatur der Arbeitswelt, der Sauerländer Christine-Koch-Gesellschaft und als Initiator des Literaturpreis Ruhr.

Als Leiter des Literaturbüro Ruhr stieg der ehemalige Boxer Herbert Somplatzki wieder in den Ring. Hier für eine Veranstaltung in Essen, bei der abwechselnd geboxt und Texte übers Boxen gelesen wurden. Foto aus der WAZ vom 23.2.1987 (Qualität verbessert mit KI).

Für wichtige Brückenschläge über NRW hinaus stehen Herbert Somplatzkis Aktivitäten im Zusammenhang mit seiner Mitgliedschaft im PEN International und in der Europäischen Autor:innenvereinigung „Die Kogge“, vor allem aber die von ihm gemeinsam mit seiner 2023 verstorbenen Frau Gerlinde Bahr-Somplatzki initiierten bilingualen deutsch-polnischen Austauschprojekte mit dem Schwerpunkt auf seine Geburtsheimat Masuren. Für dieses Engagement auf dem Gebiet der Versöhnung und zukunftsweisenden Völkerverständigung wurde er bereits 2019 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und 2022 mit dem Ehrenverdienstabzeichen für Ermland und Masuren ausgezeichnet.

Herbert Somplatzki wohnt in Schmallenberg im Sauerland.

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